Meine Weltreise während der Covid-19 Krise

Wie schnell sich das vermeintlich normale Leben doch ändern kann. Gestern noch sitzt man gemütlich in der Kneipe und trinkt sein Lieblingspils, plant die Reiseroute für das kommende Jahr oder versucht mit aller Kraft die Kollegen zum eigentlichen Thema der Besprechung zurück zu holen. Jeder und damit meine ich wirklich jeder Mensch auf diesem Planeten hat vermutlich vom neu dahergekommenen Virus gelesen, gehört oder ihn in der ein oder anderen Art und Weise bereits zu spüren bekommen. Die einen hören weiter zu, die anderen hören weg, manche Kämpfen um ihr Leben und andere um das Leben von Angehörigen oder Patienten.

Und viele realisieren nun so langsam, welche Änderungen oder vielleicht Einschränkungen mit einer weiteren Ausbreitung einhergehen könnten.

Welche Veränderungen genau auf uns zukommen sollten, konnten wir Anfang 2020 aber noch nicht ahnen.

Tja und auf meine Pläne und Träume hatte diese Entwicklung natürlich auch einen großen Einfluss. Eigentlich wollte ich in diesem Moment schon in Japan sein, um dann ein paar Tage später weiter zum Trekking nach Nepal zu fliegen. Stattdessen sitzen wir hier nun zu zweit in einer netten kleinen Strohhütte in Canggu auf Bali und hoffen jeden Tag auf bessere Nachrichten für die Welt.

Ihr fragt euch vielleicht: “Wieso soll man sich denn beschweren, wenn man doch im schönen Bali ist und dort die Krise aussitzen kann?”

Verstehe ich. Allerdings ganz normalen ‘Bali-Urlaub’ machen wir hier auch nicht mehr wirklich.

Fang ich einfach mal etwas von vorne an …

Die ersten Berichte

Zugegeben, als ich im Januar und Februar die ersten Eilmeldungen gelesen hatte, dachte ich eher, hier muss die Rede von einer neuartigen Grippe sein. Da es mal wieder nichts anderes Dramatisches zu berichten gab, wird ein riesen Fass um dieses Virus-Thema aufgemacht. Nach zwei oder drei Wochen wird die Debatte dann schon aus den meisten Köpfen verschwunden sein, weil irgendein Präsident oder ein B-Promi sich wieder vermeintlich falsch ausgedrückt hat, sodass es ein neues Thema gibt, was von allen Seiten ausgiebig beleuchtet werden kann.

Ende Februar las ich (damals noch) in Australien: “… in Deutschland beginnen die Menschen mit Hamsterkäufen … ” und ich dachte nur, was um Himmels Willen ist da eigentlich los.

Das habe ich mir so nicht vorgestellt

Bis dahin konnte ich mir keinesfalls die Folgen dieses Virus für mich und alle anderen zusammenreimen, die sich mit der Zeit weltweit ergaben. Weder konnte ich mir vorstellen, dass so viele Menschen von diesem Virus heimgesucht werden könnten, noch das eines Tages jedes einzelne Land seine Grenzen schließen würde.

Außerdem konnte ich mir nicht das Ausmaß an Schwierigkeiten vorstellen, zu denen es bei meiner Langzeitreise noch kommen sollte.

Und nun sitzen wir hier, mein Freund und ich.

Nach der Halbzeit voraussichtlich Endstation Bali.

Endstation Bali?

Während ich diesen Text hier schreibe, werden die Straßen in Bali immer leerer. Alle drei, vier Tage besorgen wir uns einen Lebensmittelnachschub und stellen bei unseren Ausflügen immer wieder fest, dass es von mal zu mal ruhiger wird. Jeden Tag schließen mehr Restaurants, auf den Straßen sind nur noch wenige Mopeds unterwegs und die Strände wurden gestern für (mindestens) einen Monat gesperrt.

Laut den offiziellen Berichten gibt es in Indonesien (einschließlich Bali) zurzeit nur wenige Infizierte, aber das kann auch an der schlechteren Gesundheitsversorgung liegen, wodurch weniger Mittel für Tests zur Verfügung stehen und somit weniger Infizierte gemeldet werden können. Im Vergleich zu den geringen, gemeldeten Zahlen wirkten die ersten Handlungen der regionalen Regierung für uns etwas überstürzt und wenig durchdacht.

Die erste richtige Einschränkung bekamen wir zu spüren, als drei Stunden nach unserer Ankunft auf Gili Trawangan die Räumung der Insel durchgeführt wurde. Dies war eine sicherheitsmäßige, frühe Schließung, um keinen unkontrollierbaren Virus-Ausbruch auf einer der populären Inseln zu riskieren. Der Beschluss war und ist komplett nachvollziehbar und sicherlich richtig, da auf den Gilis ein großer Umlauf an Touristen herrscht. Unser Problem bestand hierbei aber darin, dass wir erst einen Abend zuvor die Überfahrt gebucht hatten, morgens noch normal auf’s Boot stiegen, um dann bei Ankunft zu erfahren, dass die Inseln für Touristen geschlossen werden sollen. Wir fanden dann schließlich heraus, dass die Entscheidung leider erst einen Abend zuvor von der Regierung bekannt gegeben wurde, sodass die Infos auf Bali bzw. auf den Gili-Inseln erst am Folgetag langsam durchsickerten.

Eine weitere, schnelle Entscheidung wurde kurz vor dem Feiertag “Nyepi” getroffen. Vom 25. bis 26. März wurde auf Bali das Neujahr der Hindus “zelebriert”, an dem traditionell alles bis auf Polizeistationen und medizinische Einrichtungen geschlossen wird. Das schließt dann sogar die komplette Abschaltung des Internets ein. Das Merkwürdige war aber, dass in diesem Jahr die Einschränkungen einfach einen Tag verlängert wurden. Das Internet funktionierte zwar am darauffolgenden Tag wieder, doch alle Geschäfte blieben weiterhin geschlossen. Wie sich später herausstellte, war auch das eine kurzfristige Sicherheitsmaßnahme, die zur Eindämmung des Virus ergriffen wurde.

Die Anzahl der Touristen hat jedenfalls in den vergangenen Wochen stark abgenommen, wodurch auch immer mehr Unterkünfte den Betrieb einstellen. Wir hoffen, dass die Unterkünfte weniger abrupt reagieren und wir nicht morgen die Nachricht bekommen, das Hotel verlassen zu müssen.

Fragen über Fragen

Meine an mich selbst gerichteten Fragen zeigten mir, dass ich mit der Situation etwas überfordert war und zum Teil auch noch bin.

‘Zurück nach Deutschland? Ohne Wohnung? Ohne Arbeit? Ist das das Ende meiner Traumreise? Der Reise meines Lebens?’

‘Heißt das jetzt, dass ich dieses Jahr nirgends mehr hinreisen kann?’ Antwort: Wahrscheinlich schwer bis unmöglich.

‘5 Monate in Bali bleiben, um vielleicht im Anschluss doch noch ein oder zwei andere Länder bereisen zu können?’

‘Was ist mit Rene? War das seine einmalige Chance?’ Sein Prozess, ein halbes Jahr in der Firma Auszeit zu nehmen und anschließend normal wieder die Arbeit aufzunehmen, hat sich fast ein Jahr hingezogen. Nun scheint unser Anfang in Indonesien irgendwie gleich auch ein Ende zu sein.

Wahnsinn. Gegen höhere Gewalt kommen wir nicht an.

Uns ist schon klar, dass es sich in unserem Fall um eine Art Luxusproblem handelt, aber ich kann nicht anders und muss wenigstens einmal das Wort ‘schade’ schreiben. Denn genau als das empfinde ich es gerade.

Umdenken gefragt

Für die einen kommt es zum Weltstillstand, für die anderen wird sie von nun an doppelt so schnell gedreht. Für die einen ist kein Ende ersichtlich und für die anderen steht von jetzt auf gleich viel mehr Selbstfindung und -beschäftigung auf dem Programm. Es ist eine Umstellung für alle und wir müssen versuchen das Beste aus diesen merkwürdigen Tagen zu machen. Neue Hobbys suchen, alte Hobbys wieder entdecken, neues Lernen, altes Auffrischen oder vielleicht einfach mal über das Leben philosophieren.

Chancen

Da ich aktuell keinem Beruf nachgehe, der nach meiner Anwesenheit verlangt, sitze ich in Bali und überlege mir, welche Projekte ich die nächsten Tage so angehen soll.

Nach zwei Wochen in der Strohhütte haben wir uns eine neue Unterkunft im Zentrum von Denpasar gesucht, um uns hier für die nächsten Wochen einzuquartieren. Auf Bali ist noch kein wirklicher Lockdown, noch ist man dazu ausdrücklich verpflichtet sich von Menschen fernzuhalten. Dennoch haben wir uns etwas zurückgezogen, um Menschenansammlungen aus dem Weg zu gehen.

Im Moment geht mir einiges durch den Kopf und ich habe schon eine Menge Ideen, was ich die kommenden Tage so mit mir anstellen könnte.

Hin und wieder übe ich mit René’s Ukulele, da ich hoffe, dass er mir so leichter das Gitarre spielen beibringen kann, wenn wir wieder zurück in Deutschland sind. Gitarre spielen wollte ich schon immer mal lernen, aber bisher hatte ich den Eindruck, dass dafür am Abend einfach keine Zeit mehr war.

Seit über einem Jahr mache ich außerdem relativ regelmäßig Yoga. Mein jetziges Ziel ist es nun eine Morgenroutine für mich zu entwickeln, die ich dann in meinen Alltag integrieren kann. Die Yogasession soll dabei nicht zu einer beliebigen Tageszeit gemacht werden, sondern stets morgens, da es mir viel Energie gibt und ich mich danach bereit fühle, für alles was noch kommt. Die Lebensenergie brachte mir am Abend gegen 22 Uhr bisher nur bedingt etwas.

Mit voller Vorfreude gehe ich neue Projekte und Herausforderungen an, denn ich habe noch viele weitere Ideen, die auf eine Umsetzung hoffen. Aber ein Schritt nach dem anderen.

Kein Blick in die Zukunft

Tatsächlich habe ich bisher immerhin eine wichtige Sache auf meinen Reisen mitgenommen. Und das wäre: die Zukunft ist ungewiss. Ich möchte mir nicht mehr darüber den Kopf zerbrechen, was in ein paar Wochen, Monaten oder in einem Jahr ist. Die Dinge werden sich ergeben, da bin ich mir sicher. Spontan oder etwas mehr geplant, das wird sich zeigen, aber ich versuche die Finger still zu halten und fokussiere mich auf das Hier und Jetzt.

Denn eigentlich geht es uns doch ganz gut hier. Vor allem bin ich so froh, dass wir gesund sind.

Man sollte sich vielleicht immer die wichtigen Dinge im Leben bewusst machen, welche das auch immer bei jedem Einzelnen sein mögen.

Ich weiß bereits, was mir besonders wichtig ist. Ich möchte mich jeden Morgen nach dem Aufstehen über den neuen Tag freuen, mich stets glücklich über meine Gesundheit schätzen und mich in Glückseligkeit befinden, wo immer ich mich gerade aufhalte.

Drei-Satz-Mantra

Ich bin froh gesund zu sein.
Ich bin froh hier zu sein.
Ich bin froh über den heutigen, neuen Tag.

Und mehr brauche ich, wenn ich’s genau betrachte, auch gar nicht. Wenn ich mir diesen Grundsätzen bewusst bin, ist doch irgendwie alles andere egal.

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