Kanada

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1. Woche – Revelstoke, Yoho, Banff

Endlich stand nun unser wohlverdienter “Jahresurlaub” bevor. Die letzten Tage daheim waren auch wieder besonders spannend: ‘Brauchen wir noch ein Visum? Ja und welches Einreisevisum brauchen wir eigentlich?’, gefolgt von einem: ‘Hast du schon den internationalen Führerschein beantragt?’ und schließlich die gängigste unter den Fragen vor Abflug ‘Haben wir alles?’ – wobei letztere bei uns eher eine Rhetorische ist.

Und dann ging es auch schon los. Von Frankfurt flogen wir mit Condor 10 Stunden nach Vancouver. Der Flug mit Condor war zwar schön günstig (unter 900 Euro pro Person für Hin- und Rückflug), aber dafür haben wir noch eine Menge Aufschlag blechen müssen, da wir ein drittes Gepäckstück brauchten, was uns vor Ort schlappe 100 Euro für den Hinflug gekostet hatte. Für den Rückflug haben wir dann ein drittes Gepäckstück im Zuge des Online Check-Ins hinzugefügt, was dann “nur” 80 Euro kostete. Hinzukommen Gebühren für alkoholische Getränke und natürlich das Unterhaltungsprogramm. René wollte auf dem Hinflug ungern 10 Stunden blöd rumsitzen, also wurden hier auch noch einmal 10 Euro fällig. Deswegen vielleicht vorher nochmal nach dem Tarif schauen und ggf. beim Video-Streaming-Anbieter eures Vertrauens eine paar Filme herunterladen. Vor Ort in Vancouver am Airport wurden wir dann von einem Vertreter des Rental Car Unternehmens abgeholt. Wir fuhren ca. eine halbe Stunde nach Queensborough. Dort angekommen, machten wir uns auf den Weg zum Walmart, deckten uns schon etwas für die nächsten Tage ein und speisten noch in einer mexikanischen Imbissbude. Wir waren hundemüde, sodass wir uns anschließend auch schon im Wohnmobil ins Bett legten. Am nächsten Tag erhielten wir dann nach dem Frühstück die Instruktionen für das Wohnmobil sowie ein paar Infos, wie man sich am besten auf den Straßen Kanadas verhält. ‘Bei rot bitte stehen bleiben!’ – ‘Kein Ding’ – ‘Aber wirklich stehen bleiben. Lieber mitten auf der Straße alle Wege versperren, als noch bei Gelb rüberzubrettern.’ – ‘Oookaaay?!’ – Ja, das soll wohl von hoher Wichtigkeit im Straßenverkehr sein, denn wenn die Ampelkamera einen dabei erwischt, wie man doch noch davonbraust, wird’s teuer. ‘Pinkeln draußen im Freien – verboten! Es folgt mindestens eine hohe Geldstrafe’ und befindet man sich zur falschen Zeit am falschen Ort oder hat der Sherif einen schlechten Tag, kann’s wohl gar hinter Gittern gehen. Das wäre natürlich dramatisch, wo wir uns nun doch die nächsten Tage so viel vorgenommen hatten und so viel sehen wollten. Naja, dann ging es halt erst einmal vorsichtig auf die Straßen. Zum Glück hielt das nur mittelmäßig lange an. Vorweg gesagt, es ist nichts passiert und wenn, dann werden uns die Strafzettel wohl erst in ein paar Wochen zugeschickt. Also darf ich hier vielleicht noch Updates ergänzen – ich hoffe jedoch nicht.

Bevor es aber richtig losgehen sollte, kauften wir zunächst noch für René in der Stadt – im MEC Outdoor-Shop – ein wenig Ausrüstung ein. Eine Softshell-Hose, eine winddichte Jacke und eine Mütze sollten es unbedingt noch sein. Der MEC war riesengroß und es gab alles Mögliche, was das Outdoormenschenherz begehrt und die Mitarbeiter waren auch sehr nett und hilfsbereit. Anschließend mussten wir aber richtig losstarten, weil wir noch am selben Tag in Revelstoke ankommen wollten. Aus dem Grund fuhren wir nur mit kurzem Stop in Kamloops bis nach Revelstoke, da ich mir ein neues Stativ im Elektroladen kaufen musste, da ich meins Zuhause im Schrank vergessen hatte – so viel schon einmal zu dem Thema ‘Haben wir alles dabei?!’ In Revelstoke kamen wir gegen 21 Uhr an und die meisten Campgrounds hatten schon geschlossen oder waren bereits ausgebucht. Wir hofften dennoch weiter für diese Nacht einen Campingplatz zu finden und im dritten oder vierten Campground – Lamplighter – war dann zum Glück noch Licht im Anmeldehäuschen an. Hier wurden wir noch spät abends von einem Mitarbeiter freundlich begrüßt. Er zeigte uns auch direkt auf einem Plan unseren Stellplatz, sodass wir uns hier auch endlich beruhigt niederlassen konnten.

P.S. 5 Minuten Duschen mit warmem Wasser kosteten hier 0,50 CAD. Also Obacht – immer schön Münzgeld in die Waschräume mitnehmen!



Am nächsten Tag wollten wir dann nach dem Frühstück in den Revelstoke Nationalpark aufbrechen. Der lag unweit von unserem Campingplatz entfernt, sodass wir nicht mehr so weit fahren mussten. Vor Ort wurde dann nach dem Nationalparkausweis gefragt. Unseren Ausweis mussten wir übrigens noch einmal in Vancouver beim Wohnmobil-Vermieter erwerben, da wir unseren eigentlich Parkausweis, den wir zuvor von einer Freundin abgekauft haben, Zuhause liegen gelassen hatten. Das war natürlich prima und es passt wieder zur berühmt berüchtigten Frage. Jedenfalls hatten wir dann im Park schon einen bzw. zwei Ausweise, sodass wir unbesorgt in den Park eintreten konnten. Im Nationalpark sind wir dann gemütlich zum Eva und zum Miller Lake gewandert, da keine großen Höhen überwunden werden mussten. Die Wanderung betrug ein paar Stunden und die Seen liegen sehr dicht aneinander. Hier wurde uns zum ersten Mal bewusst, mit welch wunderhübschen Ausblicken (z.B. auf Seen) wir in den kommenden Tagen noch rechnen konnten.





Insbesondere der Miller Lake hat uns gut gefallen, aber beide Seen sind allgemein so schön naturbelassen und liegen an sehr idyllisch abgelegenen Plätzen, dass man die Ruhe praktisch spüren konnte. Auf dem Weg zu den Seen sind uns außerdem zahlreiche Chipmunks begegnet, die uns permanent zum Anhalten zwangen, weil wir natürlich Fotos von diesen putzigen Tierchen haben wollten. Nach unserer Wanderung fuhren wir weiter nach Golden. Eigentlich wollten wir schon näher am Emerald Lake sein, aber wir hatten dann doch irgendwie keine Lust mehr weiterzufahren. Mit unserem Wohnmobil fuhren wir nur in seltenen Fällen 110 km/h, da die Leistung nicht mehr hergab und die Regel eigentlich lautete, dass wir nicht über 100 km/h fahren sollen. An diesen Fakt mussten wir uns erst einmal gewöhnen, da wir so mit unserem immer 20 % mehr Zeit als gewöhnlich einplanen konnten.

In Golden kamen wir also recht spät am Golden Municipal Campground an. Hier gab es aber immerhin einen ‘Self-Check-In-Service’, sodass wir ein Formular ausfüllen und zusammen mit dem Geld (für den ausgewählten Stellplatz) in einen Briefkasten werfen konnten. Dann holten wir uns für den Abend im Mad Trapper noch ein wenig Bier, denn hier gab es eine recht große Auswahl an nationalen und internationalen Bieren.

Am nächsten Morgen mussten wir zum ersten Mal feststellen, dass insbesondere die Anzeige für das ‘Grey Water‘ (verbrauchtes Spül- und Duschwasser) nicht sehr genau war und allgemein nicht viel in diesen Tank hineinpasste. Auf der Anzeige stand nämlich, dass der Tank erst 3/4 voll sei, jedoch war das komplette Gegenteil der Fall. So kam es also in unserem süßen Ess- / Koch- / Schlaf- UND Duschbereich zu einer kleinen Überschwemmung. Das war ein wenig ärgerlich, da wir damit absolut nicht gerechnet hatten. Gott sei Dank verfügte der Campingplatz über eine Dumping-Station, zu der wir dann ganz langsam hinfuhren, um das Wasser entleeren zu können. Ein weiterer Tourist verriet uns am Ende unserer Reise, dass es in vielen Wohnmobilen vorkommt, dass alle Anzeigen nicht ganz stimmig sind. Also wärmste Empfehlung unserseits: ruhig einmal öfter das Abwasser entleeren. Mit dem ‘Black Water‘ Tank hatten wir übrigens keine Probleme, obwohl uns der Vermieter bei diesem Tank vorher extra darauf hinwies, dass die Anzeige nicht genau ist, wenn z.B. Toilettenpapier am Sensor hängen bleiben würde. Das wir keine Probleme mit diesem Tank hatten, hatte nämlich zwei Gründe. Zum einen war dieser Tank riesig und zum anderen haben wir die Toilette nur mal für’s kleine Geschäft zwischendurch benutzt, da uns das Putzen ziemlich abschreckte. Das funktionierte auch alles ziemlich gut, da man – im Gegensatz zu den USA – in Kanada mit dem Wohnmobil nicht Wildcampen soll bzw. darf. Aus dem Grund duschten wir auch generell nur auf den Campingplätzen, da nach dem Duschen im Wohnmobil das ganze Bad nass war und das Trocknen ewig dauerte.

Nach dem Entleeren fuhren weiter in den Yoho Nationalpark, denn hier wollten wir eine Runde um den Emerald Lake wandern. Auf dem Weg machten wir noch einen kurzen Stopp an einem Parkplatz, der eine super Aussicht auf den Kicking Horse River bot.

Das Wasser war überall so klar. Es war der totale Wahnsinn. Für die Rundwanderung braucht man nicht mehr als 2 Stunden und anstrengend ist es definitiv nicht. Hier war es gefühlt etwas lebhafter als im Revelstoke Nationalpark. Jedenfalls war das mein Eindruck. Nichtsdestotrotz ist der See unglaublich schön.



Am selben Tag fuhren wir weiter in den Banff Nationalpark, um uns noch den Lake Louise anzuschauen. Wir konnten kaum abwarten ein weiteres Stück ‘unbefleckte Erde’ kennenzulernen.

Allerdings herrschte hier gegen 17 Uhr noch Hochbetrieb. Touristen soweit das Auge reicht, was dann dementsprechend nicht unbedingt unberührt ist. Trotzdem ist der See wunderschön. Das Wasser ist glasklar und schimmert leuchtend in blaugrünen Tönen. Und wenn man ein wenig weiter um den See wandert, findet man bestimmt auch irgendwo ein etwas ruhigeres Plätzchen.

Die Bilder, die im Internet kursieren, haben jedenfalls nicht zu viel versprochen. Wir wanderten noch zu zweit hoch zum Lake Agnes und René rannte noch ein Stück allein bis zum Aussichtspunkt auf dem Beehive.


Er holte mich auf dem Rückweg ins Tal ein, um schonmal mit dem Auto zum Campground zurückzufahren und im Lake Louise Campground nach einen Stellplatz zu fragen. Hier waren zum Glück noch zwei Nächte verfügbar, das warm Duschen kostete hier nichts extra. Also absoluter Luxus. Nach der Campground-Reservierung holte er mich mit Auto ab und dann fuhren wir gemeinsam zum Stellplatz. Am nächsten Tag ging es nochmal zum Lake Louise, da war zum Six Glaciers Viewpoint wandern wollten. Hier wandert man gute 2 Stunden hin. Die Sonne war hier stets unser treuer Begleiter. Es kann also nicht schaden eine Sonnencreme für die Wanderung einzustecken.

Abends am Campground machten wir noch ein paar nette Nachtaufnahmen. Der Himmel in der Nacht war einfach durchgängig klar, sodass hier zauberschöne Fotos mit unzähligen Sternen, Satelliten und weiß Gott was drauf entstanden.

Am nächsten Morgen ging es weiter nach Canmore. Canmore ist ein zuckersüßes Städtchen, was ich richtig lieb gewonnen habe. Trotz der überschaubaren Größe gibt es hier viele sehr gute Cafés, Bars, Kletterspots und natürlich Unmengen an Wanderrouten. Wenn man also an Canmore vorbeifahren sollte, dann ruhig einen Stopp einlegen.

Nach unserem Zwischenstopp im Beamers Coffee, in dem die Leute wirklich traumhaft leckeren Kaffee zubereiten, ging es weiter zum Outdoor-Ausrüstung-Shop Valhalla Pure Outfitters, um uns noch ein Zelt und einen zweiten Schlafsack zuzulegen, da wir in unserem Gepäck keinen Platz mehr für diese Sachen hatten. Wir planten nämlich für den nächsten Tag eine Wanderung zum Lake Magog, den man entweder per Hubschrauber (200 CAD/ 140 Euro pro Person pro Flug – Stand September 2018) oder zu Fuß erreichen kann. Zu Fuß muss man aber mindestens 26 km pro Strecke einplanen, was der Grund war, weswegen wir am See zelten wollten, was wiederum vorher auf der Seite des Parks gebucht werden muss. Denn 52 km an einem Tag zu Fuß zu marschieren, wäre wohl doch zu viel gewesen. Und warum wollten wir das überhaupt machen? Weil man vom See eine unglaubliche Aussicht auf das sogenannte kanadische Matterhorn – Mount Assiniboine – hat. Zugegeben, 26 km an einem Tag mit Rucksack ist auch schon heavy, was wir dann auch gemerkt haben. Es wurde aber nur noch für diesen einen Tag gutes Wetter prognostiziert, sodass wir gar nicht mehr lange überlegen konnten. Im Endeffekt waren die Zelte und Schlafsäcke im Outdoor-Laden zu teuer und wir hätten auf dem Rückflug wieder das Problem mit den Gepäck gehabt. Aus dieser Not heraus sind wir aber auf einen Verleih in Canmore – Rent-a-Tent Canada – aufmerksam geworden, der tageweise Camping-Ausrüstung verleiht. Das war auch nicht super günstig aber immerhin die einzige Möglichkeit, um überhaupt auf dem Zeltplatz zu übernachten.

Bevor wir aber den Weg auf uns nehmen sollten, ging es nach unserer Schlafsack- und Zeltreservierung noch in den Bow Valley Wildland Provincial Park, um ein, zwei Kletterrouten auszuprobieren. Das lief auch ganz hervorragend bei Bombenwetter, denn wie gesagt, die kommenden Tage wurde etwas nicht so Feines für’s Wetter vorhergesagt.


Also wurde da nicht lange gefackelt! Abends waren wir im Georgetown Pub essen. Diesen Pub kann ich nur weiterempfehlen, denn das Essen war sehr lecker und sogar richtig gut gewürzt. Der Service war ebenso super und die gemütliche Atmosphäre hatte uns auch gut gefallen. Könnte aber auch mit daran liegen, dass wir uns gerne hin und wieder Mal zu irischer Musik berieseln lassen.

Am nächsten Tag hat es morgens geschüttet wie aus Eimern. Wir waren schon echt skeptisch und unsicher, ob wir wirklich bei diesem Wetter 26 km durch die Wälder wandern sollten, um dann am Ende auch noch zu zelten. Die Unsicherheit wurde bestärkt, als sich der Straßenzustand hinter Canmore ruckzuck katastrophal verschlechterte. Ein kühler Kopf war gefragt und der wurde René eindeutig abverlangt. Er wollte ‘erstmal weiterfahren’ und gucken, ob es vielleicht besser wird. Für die 40 km wurden bei den üblichen Navigationsdiensten schon ca. 1 1/2 h angegeben, was uns vorher schon ziemlich verwunderte. Mit unserem Wohnmobil dauerte die Fahrt aber über 2 1/2 h bis zum Zielparkplatz (Shark Mountain Trail) und so konnten wir nach dem ekelhaftestem Gerappel und Geknatter endlich aufatmen.
Zum Glück hatte sich das Wetter beruhigt. Kaum geparkt, hörte es sogar vollkommen auf zu regnen. War es Karma? Oder Belohnung für’s Durchhalten? So oder so, jetzt hatten wir keine wirkliche Wahl mehr. Das Zelt und der Schlafsack waren schließlich auch nicht geschenkt. Also, los geht’s!


Wir starteten ca. 12 Uhr und benötigten gute 7 h inklusive Pausen. Das heißt, es war noch gerade so hell, als wir ankamen. Am Berg halbwegs angekommen tranken wir noch schnell ein Bier (außerhalb der Schankzeiten) in der Assiniboine Lodge, was wir uns auch verdient hatten.

Es war wirklich eine anstrengende Tour und wir konnten es kaum erwarten unsere Beine schonend auf den Boden abzulegen und wenigstens für eine Nacht den Körper zu entspannen.

Fakt ist jedoch: die Aussicht ist brutal schön. Wir hatten so eine gute Sicht und das sogar mit hin und wieder durchringenden Sonnenstrahlen. Es war einmalig und damit hatte sich der lange Weg für uns voll und ganz gelohnt.

Am Folgemorgen brachen wir mal wieder kurz nach dem Regen auf, um einigermaßen im Trockenen zurück zu wandern. Das hat auch echt gut geklappt. Der Rückweg war nicht minder strapaziös, soviel kann ich sagen, aber was tut man nicht alles für wunderschöne Aussichten.

An diesem Tag, nachdem wir wieder in Canmore ankamen, wollten wir uns aber mal wirklich entspannen und vor allem die Beine schonen. Abends aßen wir uns deswegen erst einmal im Blake den Bauch voll. Hier gibt es übrigens auch leckere Cocktails, die es preislich ein wenig in sich haben. Im Campground Spring Creek konnten wir dann in unserem Wohnmobil frühzeitig schlafen gehen. Hier haben wir für das Duschen einen Spitzenpreis von 2 CAD (ca. 1,5 Euro) für 5 Minuten bezahlt aber immerhin bekamen wir hier noch kurzfristig einen Stellplatz für unser Wohnmobil, was ja auch keine Selbstverständlichkeit ist.

2. Woche Banff, Jasper, Clearwater, Pentiction

Am nächsten Tag nahmen wir uns auch nicht übermäßig viel vor. Es regnete sowieso weiter. In Canmore wollten wir noch ins Communitea Café, ehe es wieder zurück nach Lake Louise gehen sollte. Ich muss an dieser Stelle einfach sagen, dass das Grilled Cheese Sandwich verboten gut schmeckt.

Meine Güte, was macht ihr da für leckere Sachen rein?! Also wirklich, unbedingt bestellen, wenn ihr da seid!

Da wir sonst nichts weiter geplant hatten, fuhren wir noch einmal zum Vallhalla-Shop. Das ist der coole Outdoor-Laden in Canmore, in dem wir schon nach einem Zelt gesucht hatten. Hier wollten wir nochmal gucken, ob wir ein paar Infos in Bücher über das Klettergebiet um Squamish finden können. Beim Stöbern kam direkt ein Mitarbeiter auf uns zu, der uns wärmstens empfahl, drüber nachzudenken, ob wir nicht stattdessen in den Skaha Provincial Park bei Pentiction fahren wollen. In diesem Gebiet sei es wohl stets furztrocken, wenn es überall woanders in Kanada regnet. Wir nahmen den Tip dankend entgegen und überdachten noch einmal unsere Pläne. Grundsätzlich waren wir aber völlig frei in unserer Tagesgestaltung, was wir immer wieder ausgesprochen super finden. Dem Mietauto sei Dank! Anschließend ging es wie gesagt noch nach Lake Louise, damit wir noch einen Abstecher zum Moraine Lake machen konnten.


Der See ist wie die anderen auch wunderhübsch anzusehen und ebenso ein gewaltiger Touristenmagnet. Am Abend gegen 18 Uhr ging es hier bestimmt schon um einiges ruhiger zu als zu einer früheren Tageszeit. Leider bekamen wir danach in Lake Louise bei unserem altvertrauten Campground keinen Stellplatz mehr, da alles ausgebucht war. Also fuhren wir mit unserem Wohnmobil zum Overflow Parkplatz. Hier kann man parken, wenn sonst alle Campgrounds voll sind. Diese sind wie stinknormale Parkplätze, eben ohne Wasser- oder Stromanschlüsse etc. aber für eine Nacht ist das unproblematisch.


Am nächsten Morgen fuhren wir weiter über den aufregenden Icefields Parkway Richtung Jasper. Auf diesem Parkway genießt man unheimlich viele schöne Aussichten, ob nun auf gigantische Wasserfälle, mächtige Gletscher, türkis glitzernde Flüsse oder sich durch Tälern schlängelnde Serpentinen.


In Jasper buchten wir uns für zwei Nächte in den Wapiti Campground ein. Der Campground liegt direkt vor dem Städtchen Jasper, sodass wir für den morgigen Tag in der Umgebung eine kleine Wanderung vornehmen konnten. Im kleinen Jasper gibt es übrigens einen Waschsalon verbunden mit der SnowDome Coffee Bar, in welchem man neben Wäsche waschen auch noch einen super Kaffee trinken und duschen kann. Hier bleiben also keine Wünsche offen!

In den frühen Morgenstunden des nächsten Tages gab es aber eine kleine Überraschung – jedenfalls für uns. Es fing an zu schneien und es sah auch nicht so aus, als würde es gleich wieder damit aufhören. Trotzdem fuhren wir erstmal zum Pyramid Lake.


Hier konnte man auch noch auf die Pyramid Island wandern. Bei Schneefall kann man immer eine unglaubliche Stille wahrnehmen. Alles ist lautlos, man hört kaum noch das vorbeifahrende Auto und danach ist auch sowieso wieder absolute Stille. Weit und breit war kein Mensch zu sehen, nur einem Ehepaar sind wir auf der Strecke begegnet. Nach unserer Wanderung fuhren wir zu den Miette Hot Springs, um uns wieder ein wenig aufzuwärmen. Was gibt es denn bitte Schöneres, als sich in heißes Wasser zu kuscheln, wenn man von einer zauberhaften Schneelandschaft umgeben ist?! Hier konnten wir uns am Abend noch ein bisschen entspannen, auch wenn es gar nicht so leer war. Scheinbar wollten noch ein paar mehr Leute den hübschen Anblick in einer großen warmen Badewanne genießen und das kann man ihnen sicherlich nicht verübeln.


Den nächsten Tag planten wir eine Fahrt zum Maligne Lake ein. Wir hofften, dass das Wetter einigermaßen stabil bleibt, sodass wir mit dem Boot zur Spirit Island fahren konnten. Leider wurde daraus nichts, denn es fuhren bei diesem Wetter keine Boote. Wer sehr motiviert ist, kann natürlich auch ein Kanu mieten aber das Paddeln liegt uns nicht so sehr. Also fuhren wir wieder zurück und hielten noch auf dem Parkplatz am Maligne Canyon.



René war dann am Abend der Ansicht, dass er sich zu wenig bewegt hatte und wollte noch in der Dämmerung joggen gehen, was ja auch ein bisschen lebensmüde ist, wenn man bedenkt, wie viele Bärenschilder hier aufgestellt sind. Zudem ist die Dämmerung ja eine ziemlich beliebte Zeit bei Bären. Und tatsächlich lief ihm, als er gerade wieder zum Campingplatz einbog, ein Bär über den Weg. René war leicht entsetzt und fragte sich warum er dem Bär auch gerade beim Joggen begegnen musste. – ??? – Danach ging er in den Nationalparks und bei Dunkelheit nicht mehr laufen.



Am nächsten Tag fuhren wir weiter nach Clearwater. Dort angekommen wollten wir noch zu den Helmcken und den Dawson Falls. Die Wasserfälle sind absolut gigantisch.

Auf dem Weg dorthin sahen wir übrigens noch einen Schwarzbären unter einem Baum sitzen. Allerdings erkannten wir ihn nur durch ein Fernglas, da das viele Gestrüpp mindestens die Hälfte seines Körpers verdeckte.

Schließlich befolgten wir noch den Ratschlag des Mitarbeiters aus dem Outdoor-Laden in Canmore und fuhren am folgenden Morgen weiter nach Pentiction anstatt nach Squamish, da für die nächsten Tage Regen im Westen angesagt war. In Pentiction blieben wir zwei Nächte im Oxbow RV Resort. Hier war kaum etwas los, was auch mal ganz nett war, weil so die Duschen und die Waschräume extrem sauber waren. Am selben Tag sind wir noch mit dem Wohnmobil zum Upper Parking Parkplatz am Skaha Bluffs Provincial Park gefahren, um zwei, drei Routen zu klettern, bis es dann auch schon langsam dunkel wurde.


Am nächsten Tag sind wir noch einmal zum Parkplatz am Skaha Provincial Park gefahren, um noch einmal ein paar Routen auszuprobieren. Das Wetter war recht unbeständig. Nichtsdestotrotz dachten wir, wir bleiben solange, bis es anfängt zu regnen. Wir haben wieder gerade einmal zwei Routen geschafft, bis wir wieder überrascht wurden: “Was kriecht da bitteschön an unseren Rucksäcken entlang?!!” Ausgerechnet eine Klapperschlange?!!!! Klein ja, aber nicht weniger ekelerregend. Wer hier nicht widerstehen kann und nachlesen möchte, wie souverän wir mit der Situation umgegangen sind kann zusätzlich den Artikel … lesen. Schlussendlich sahen wir uns gezwungen das Feld zu räumen und hofften, dass uns nicht noch mehr solcher Tiere bis zum Parkplatz begegneten.

Da es aber nun erst Mittag war, wollten wir eigentlich noch nicht zum Campground fahren und so entschieden wir uns für einen kleinen Ausflug zu einem Bauernhof, da ich noch einen der berühmt berüchtigten Fruits Stands in der Umgebung ausprobieren musste.

Hier bekommt man nämlich super leckeres Obst und Gemüse direkt vom Farmer. Ich habe mich für die Matheson Creek Farm entschieden und diese Entscheidung war Gold wert. Denn das Obst, wie z.B. Weintrauben, Pfirsiche und Birnen, haben echt lecker geschmeckt. Das Obst war auch sehr sehr preiswert. Wer sich also hier in der Umgebung von Pentiction, Summerland oder Peachland aufhält, der sollte wirklich unbedingt zu einem dieser Fruits Stands fahren!

3. (kurze) Woche Vancouver Island


Schon am nächsten Morgen brachen wir dann Richtung Vancouver und weiter zur Horseshoe Bay auf, da wir nach Vancouver Island wollten. Die Fahrt dauerte aufgrund der Rushhour in Vancouver wirklich lange. Wir hatten aber Glück, dass wir rechtzeitig vor der letzten Fährenfahrt an der Horseshoe Bay ankamen und vor allem, dass es noch Tickets für die letzte Tour gab. Für die Überfahrt bezahlten wir ca. 98 CAD (ca. 65 Euro – Stand September 2018) für zwei Personen + Wohnmobil (21′) und die Fahrt nach Nanaimo dauert ca. 2,5 Stunden, sodass wir gegen 20.30 Uhr auf der Insel ankamen. Dann fuhren wir zum Campground Brannen Lake RV. Hier trafen wir noch einen Mitarbeiter an der Rezeption, sodass wir beruhigt “einchecken” konnten. Am nächsten Morgen ging es nach unserem Frühstück zügig weiter in den Pacific Rim Nationalpark. Hier wollten wir uns drei Nächte aufhalten, ehe es wieder nach Vancouver und schließlich zurück nach Deutschland gehen sollte. Am ersten Tag in diesem Nationalpark war das Wetter noch voll auf unserer Seite. Auf dem Weg dorthin hielten wir zunächst noch auf einem Parkplatz, nahe am Half Moon Bay Beach.


Über den Willowbrae Trail erreichten wir den Half Moon Bay Beach. Am Strand sammelte sich zwar einiges an Seegras an, weshalb es etwas stank, aber dafür war es hier schön ruhig. Wir waren die einzigen Besucher weit und breit und nutzten die Gelegenheit, um das erste Mal unsere Drone zu starten. In den Nationalparks, in denen wir uns zuvor aufgehalten haben, waren Dronenflüge strikt untersagt. Umso schöner, dass es hier am Strand gestattet bzw. nicht ausdrücklich verboten war. Anschließend fuhren wir weiter zum Wickaninnish Beach. Mir kam der Strand etwas “sauberer” vor, was aber sicher auch an dessen Weitläufigkeit liegen konnte.


Hier waren auch relativ wenige Strandbesucher anzutreffen, denn temperaturmäßig war es schon etwas frisch und eigentlich wäre ich hier gerne mal ins Wasser gesprungen. Nur leider kriegt mich alte Mimose bei solchen Temperaturen keiner ins Meer! Danach fuhren wir noch kurz in die kleine Stadt Tofino, da wir unseren Essensvorrat etwas aufstocken mussten und Craft Beer stand auch wieder auf unserer Einkaufsliste. Gesagt – getan.

Am Abend gab es dann noch lecker Nudeln mit Tomatensoße und dazu noch hervorragendes IPA. Wie könnte das Abendessen bitteschön besser aussehen?! Aber halt Stop! Ein Highlight möchte ich keinesfalls unterschlagen. Gegen 18.15 Uhr ging dann ruckzuck die Sonne unter und wir mussten dringend an irgendeinem Strand “Halt” machen. Also hielten wir schnell am MacKenzie Beach. Ich sprang raus und René musste noch parken, da er sicher das Spektakel auch nicht entgehen lassen wollte. Dann war es soweit. Wir schauten einem wunderschönen Sonnenuntergang zu. Wundervolle Lichterspiele dank des Meeres und die wärmsten Töne am Himmel, die uns die Sonne nur schenken konnte. Ein einmaliger, herrlicher Anblick!


Danach fuhren wir dann wirklich zu unserer Unterkunft Crystal Cove. Hier kann man nicht nur mit dem RV campen, sondern auch eine wunderschöne Hütte mit Meerblick oder einen “Glamour Camper” mieten. Allgemein wird dieser Campingplatz schön gepflegt, was auch seinen Preis hat. Wir bezahlten pro Nacht mit unserem RV ca. 70 CAD (ca. 45 Euro – Stand September 2018). Unsere mit Abstand teuerste Unterkunft auf der ganzen Reise. Hier blieben wir aber erstmal für zwei Nächte, denn das Online-Angebot war nicht mehr besonders groß. Ehrlich gesagt war sogar alles andere in dieser Umgebung ausgebucht. Für den Pacific Rim Nationalpark würde ich also empfehlen, dass man die Unterkünfte mindestens 3 bis 4 Tage vor gewünschtem Reservierungsdatum bucht. Am nächsten Tag gingen wir zu Fuß über drei mehr oder weniger zusammengehörende Strände nach Tofino, um ein wenig zu shoppen. Wir haben aber dann doch nichts außer eine Metaltasse gekauft. René hatte sich außerdem noch eine Kanutour für den nächsten Morgen 10 Uhr bei Tofino Sea Kayaking gebucht. In der Hoffnung, dass uns die Sonne noch einmal einen ähnlich schönen Sonnenuntergang schenken würde, wanderten wir zurück zu unserem Wohnmobil und fuhren damit zum Cox Bay Beach. An der Südspitze dieses Strandes führte ein spannender Weg hinauf zu einem Aussichtspunkt. Zum Glück ist dieser gar nicht ausgeschildert, weswegen da wohl an den Abenden relativ wenig los ist (Stand September 2018). Die Aussicht war unglaublich schön. Der Sonnenuntergang war zwar nicht so übertrieben krass toll, wie am Abend davor, aber es war trotzdem sehr schön. Gerade weil man von dort den fernen Meer- und den weiten Strandblick genießen kann.

Am nächsten Morgen mussten wir unseren Stellplatz wieder räumen. Nach Renés Kanutour, bei der er übrigens einige Robben beobachten konnte, machten wir noch einen Halt am Parkplatz neben dem Ausgangspunkt des Schooner Trails, bevor wir beim Greenpoint Campground einchecken wollten. Dieser Trail war ca. einen Kilometer lang und führte uns durch den urwaldartigen Treppentrampelpfad zum Strand. Es regnete wir bekloppt an diesem Tag.



Durch den Schutz der Bäume wanderten wir den Schooner Trail also genau am richtigen Tag, um das Pacific Rim Regenwald-Feeling in uns und unsere Klamotten aufzusaugen. Danach wanderten wir auch noch den Rainforest Trail. Dieser ist ähnlich kurz und ähnlich eindrucksvoll wie der Schooner Trail, was vor allem an den vielen üppigen Pflanzen und Bäumen liegt. Wenn einem das Wort Regenwald in den Sinn kommt, denkt man vermutlich nicht als Erstes an Kanada. Haben wir auch nicht! Das Land ist eben wahrlich sehr facettenreich.


Am nächsten Tag hieß es dann auch schon wieder: ab zurück nach Vancouver. Wir fuhren wieder nach Nanaimo und mit einer Nachmittagsfähre zurück in die Großstadt. Das Ticket kostete dieses Mal ca. 92 CAD (ca. 60 Euro – Stand September 2018). Vielleicht hat der Wind gedreht? Andere Zeit? Ist das Wohnmobil gewachsen? Wir wissen es nicht und haben es einfach so hingenommen. Wir erreichten die Stadt so spät, dass wir nicht mehr groß shoppen gehen konnten. Gegen 21.45 Uhr kamen wir am Burnaby Cariboo RV Park and Campground an. Nach dem Duschen und Putzen des RV’s ging es dann bald ins Bettchen. Am nächsten Tag stellten wir uns den Wecker, damit wir auf keinen Fall unter Zeitdruck leiden mussten, sodass wir ca. 12 Uhr wieder in Queensborough ankamen, um das Wohnmobil zurück zu geben. Am Airport dann verlief alles reibungslos und so ging es der Heimreise entgegen. Was uns daheim erwarten sollte, war ein ordentlicher Jetlag aber auch eine Sammlung an unglaublich schönen Momenten von unserer Reise. Wir haben wunderschöne Sachen erlebt, die wir auch dank unserer “Fotoserie” von über 1000 Bildern, immer in Erinnerung halten werden!



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