Bungee

Bungee

Bungee Sprung (106 Meter) – Lingenauer Hochbrücke

Wir haben uns getraut! Wir sind echt Bungee springen gewesen. Unglaublich. Einfach unglaublich. Ich habe in den letzten Jahren eine ausgeprägte Fallangst entwickelt, möchte ich sagen.
Deswegen habe ich nicht mehr daran geglaubt, dass ich in meinem Leben noch einmal den Gutschein einlösen werde, den ich vor zwei Jahren von René geschenkt bekommen habe. Jedenfalls hatte er auch einen Gutschein und seiner sollte definitiv dieses Wochenende eingelöst werden, komme was wolle! Naja, schlechtes Wetter mal ausgenommen. Immer wenn ich mir daheim nur so den reinen Fall
vorstellte, dann war mir ganz komisch und es zwickte und kribbelte ganz merkwürdig in meinen Fingerspitzen.

Als wir uns dann in der brütenden Hitze in der Schlange anstellten, dachte ich mir so „ach scheiß doch drauf“ und unterschrieb fast unüberlegt das Formular mit den Sicherheitshinweisen. Sobald man das Formular unterschreibt ist der Sprung verbindlich und es gibt bei einem Rückzieher keine Rückerstattung. Also sollte man sich in diesem Augenblick einfach bewusst sein, was man da tut.

Nach zwei Stunden Warten war dann wirklich nur noch eine Person vor mir dran, ein Mädel. Und die machte einen recht aufgeregten Eindruck auf mich. So ähnlich muss ich auch ausgesehen haben. Für mich war das, was mir jetzt bevorstand, echt harter Tobak. Ich bin schon wie irre auf und ab gegangen und fragte mich wieder, ob das hier wirklich sein muss. „Wirklich? Ja? Hm. Man. Was mach ich nun? Ok ich mach‘s. Oder? Ich mach‘s.“ Ein auf und ab der Gefühle. Nachdem ich von dem Crew-Mädel in meine Anschnallgurte festgeschnürt wurde, ging es auch schon auf das Podest. Von hier geht’s dann wirklich gleich los. Wirklich gleich. Der zweite Kollege guckt nochmal an dir herunter, redet entspannt auf dich ein: „Wie heißt du? Woher kommst du? Was machst du überhaupt hier?“ – Ja genau..was mach ich eigentlich hier?!
Gute Frage. Und dann war der Smalltalk erstmal wieder beendet. Und so langsam dachte ich mir, dass ich jetzt hier nicht mehr schnell aus der Nummer rauskomme – nicht so wirklich einfach jedenfalls. In meinem Kopf habe ich mir selbst Mut zu gesprochen: “Was solls. Na gut. Ganz entspannt, Lisann. Ganz ruhig.” Bis der nette Kollege wieder etwas Unruhe in meine mentalen Vorbereitungen hineinbrachte durch sein: „Geh doch schonmal langsam zum Rand.“ – „OK, vorne zum Rand? Kein Problem. Ok! Ok!“

„Stell dir vor, du schmeißt dich einfach wie wild ins Bett.! – „Ok, das kenne ich! Das mach ich auch daheim ganz gerne.“

Ein paar Mal tief durchatmen..puhh..und nochmal. Ruhig. Alles wird gut.

Und dann ein: „Ich glaube…ich glaube, ich bin soweit.“ – Ok Lisann, du bist soweit. Dann kann‘s losgehen! Bereit!?“ – „ja…ja?!“ – „Dann 5, 4, 3, 2, 1 und Bungeeeeeeeee!!!!!!!“

“…Bungee?!?”

Und Bungeeeeee!!!

Es war hart. Hilfe. Ich habe geschrien. Wie verrückt. Relativ kurz, aber dafür intensiv und das ging so schnell, dass ich gar nicht wusste, wo ich überhaupt war. Tausend Bilder sprangen vor meinen Augen auf und ab, von links nach rechts und wieder zurück. Das war so krass. Und auch was danach kam,
ging unglaublich schnell. Ehe ich überhaupt begriffen und realisiert hatte, dass ich kopfüber 50 m unter einer Brücke hänge und unter mir das Wasser eines kleinen Bachs dahin plätscherte, ging es auch schon langsam wieder aufwärts.

Oben angekommen, kann man es dann kaum glauben. Schon wieder vorbei und so verrückt.
Unglaublich einfach.

Der Sprung war geschafft und was bleibt war einfach dieses tolle Gefühl. Ich bin froh, es gemacht zu haben und nicht erst im nächsten oder übernächsten Jahr. Meine Aufregung hätte sich definitiv nicht gelegt. Im Gegenteil, ich wäre wahrscheinlich noch ängstlicher gewesen.

Manchmal ist es schon verrückt, was wir für Sachen machen. Was wir uns vornehmen und was für Ziele wir uns setzen. Solange immer ein starker Wille dahinter steht, gibt es für uns aber auch nichts, was nicht zu schaffen ist.
Diese Motivation wird uns bestimmt immer am Leben halten, egal in welcher Situation.
Nach unserer Aktion hatten wir uns nicht nur ein Bier verdient, nein, wir mussten uns auch dringend von der Sonnendröhnung erholen. Also suchten wir uns noch ein nettes Plätzchen, um uns im Subersach ein wenig zu erfrischen.

Ich bin ehrlich gesagt so stolz auf mich, dass ich gesprungen bin und ich bin auch froh, dass wir es endlich gewagt haben. Dank René, ansonsten wäre ich wahrscheinlich nie nach Österreich gefahren und hätte völlig verdrängt, dass ich noch einen Gutschein hatte. Zum Glück wurde ich auch nicht unter
Druck gesetzt und vollgesabbelt mit „..los, wenn wir schonmal hier sind“ oder „ich will hier nicht umsonst hergefahren sein“ usw. Da hielt er sich lieberweise zurück und dafür bin ich ihm dankbar.


Bungee Springen ist wohl nichts für schwache Nerven, da erzähl ich wohl nichts Neues. Nur eine Bemerkung. Macht das vielleicht wirklich nur, wenn ihr einigermaßen überzeugt seid, dass ihr das irgendwie schafft und ihr euch vorstellen könnt, dass ihr um eine schöne, krasse Erfahrung reicher werdet.



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